Der lange Weg nach Amsterdam
Als der Zug mit 10 beunruhigenden Minuten Verspätung einfuhr, realisierte ich, dass ich auf der falschen Seite stand. Ich also halsbrecherisch über die Gleise gerannt und unter den anklagenden Blicken des Zugführers in den Zug geschlüpft. Kaum war ich drin, sollte ich noch einmal die deutsche 'Freundlichkeit' mit der Keule zu spüren bekommen. Mehrere Herren in den besten Jahren, die mit ihrem Gepäck fast den kompletten Eingangsbereich versperrten, wollten mir im sowieso schon vollen Zug wohl nicht den kleinen Stehplatz zwischen ihren Taschen gönnen. Zuerst dachte ich noch, sie machten Witze, all das wäre ein Ausdruck schlechten Humors und ironisch gemeint. Ein Blick in ihre grimmigen Gesichter belehrte mich aber schnell eines besseren. Als die Kommentare unfreundlicher und feindseliger wurden - freilich absolut grundlos - beschloss ich, sie in Gedanken verwünschend, mir von diesen Arschlöchern nicht meine Laune zerstören zu lassen und suchte mir einen Platz weiter hinten im Zug.
Die Verspätung sollte dann allerdings in Enschede für das nächste Ärgernis sorgen. Die paar Minuten Umsteigezeit reichten nicht aus, um mir ein Ticket nach Amsterdam zu kaufen und den schon wartenden Zug zu betreten. Als ich mit meinem Ticket in der Hand wieder auf den Bahnsteig kam, schlossen sich die Türen vor meiner Nase und ließen sich auch durch energisches Knopfdrücken nicht wieder öffnen. Der Zug fuhr ohne mich ab.
Eine halbe Stunde später kam der nächste, und nun doch guter Dinge ließ ich mich nach Amsterdam fahren. Als ich dort ankam, sagte man mir, dass meine Metro heute nicht vom Bahnhof aus fahren würde. Ich musste also eine andere nehmen und dann umsteigen. Die letzte Metro, die ich dann so gerade gekriegt habe, fuhr aber nur bis zum WTC. Von dort aus sind es gute 20 Minuten mit dem Fahrrad zum Zonnehuis. Ich war zu Fuß. Unten waren Automaten, und ich wollte mir mit einer erfrischenden Cola ein wenig Energie zuführen...Pustekuchen! Zwanziger und Zehner in meiner Patte, aber kein Kleingeld. Scheiße. Ok, erstmal eine rauchen. Dann stellte ich fest, dass ich zwar Tabak, aber keine Blättchen hatte. Scheiße!!
Naja, ok, ich musste als nach einem Nachtbus Ausschau halten. Am WTC fuhr mein Nachtbus allerdings nicht, und so musste ich mit einem anderen wieder zurück in die Stadt fahren, um dort umsteigen zu können. Als ich am Leidseplein ankam, musste ich feststellen, dass mein nächster Bus erst in einer Dreiviertelstunde fahren sollte. Ok, dachte ich, geh ich nochmal kurz zum Coffeeshop um die Ecke. Der hatte allerdings, wie ich dann feststellen musste, 5 Minuten vorher zugemacht. Nach einem Cheese Bacon von Burger King, einer ekligen geschnorrten Zigarette (Pall Mall Lights mit weißem Filter) und einer gefühlten Ewigkeit kam dann sogar mein Bus.
Der Holländer, der mir gegenüber saß und mich grimmig anschaute, konnte meine Laune auch nicht mehr runterziehen. Ich war bereits am Tiefpunkt angelangt. Als ich es mir auf meinem hart erkämpftem Sitzplatz etwas bequem machen wollte und den Fuß an den gegenüberliegenden Sitz lehnte, schlug er mir einmal auf die Zehen und machte nur eine undeutliche Geste, ich solle das unterlassen, bevor er wieder die Augen schloss und vor sich hin dämmerte. Zu diesem Zeitpunkt hätte ich töten können, bewahrte aber trotzdem Contenance. Als er ungefähr fünf Minuten später plötzlich hochschreckte und realisierte, dass er seine Haltestelle verpasst hatte, konnte ich meine aufrichtig empfundene Schadenfreude nur schwer verbergen.
Geschlagene sechs Stunden nach meiner Abfahrt in Münster kam ich dann recht erledigt im Zonnehuis an. Auch hier noch alles beim Alten, Küche chaotisch, kein Mucks zu hören, und auch mein Zimmer hat seinen Zustand beibehalten. Zurück in vertrauter Umgebung, entschloss ich mich, zur Entspannung erst einmal ein wenig Radio zu hören - Arrow Jazz FM.
Und wie als ob er es geahnt hätte und die ganze Zeit dabeigewesen wäre, höre ich Bobby McFerrin singen:
aint got no cash aint got style
aint got no girl to make you smile -
dont worry, be happy!
cause when you worry your face will frown
and that will bring everybody down -
so dont worry - be happy!
Recht hat er.



































