Mittwoch, November 29, 2006

De Key

Also, das ist echt zum verrückt werden. Unsere Housing Corporation DE KEY scheint nicht in der Lage zu sein, eine anständige Internetverbindung auf die Reihe zu kriegen. Ich meine, wo leben wir denn? Stattdessen ist das Netz andauernd überlastet, und an manchen Tagen ist es ein Ding der Unmöglichkeit, auch nur mal eben seine Emails zu checken.
Da De Key wohl eingesehen hat, dass sie das Problem bis Ende Dezember nicht mehr auf die Reihe kriegen werden, haben sie uns die Internetkosten von der Miete abgezogen. Juhu, das bedeutet, wir zahlen 12 Euro weniger im Monat. Das klingt ja erstmal ganz gut. Die Kehrseite der ganzen Angelegenheit ist allerdings: wir zahlen nun nicht mehr für das Internet, das heisst, uns wurde mit Entbindung von der Zahlungsverpflichtung auch jegliche Beschwerdegrundlage genommen, im engeren Sinne. Denn, wer nicht zahlt, kann sich auch schlecht beschweren.
So hat De Key den Spiess umgedreht und aus einer mehr als mangelhaft eingerichteten Internetverbindung einen kostenlosen Service gemacht, dessen Verbesserung nun, da wir nicht mehr zahlen, auf die lange Bank geschoben bzw. unter der Teppich gekehrt werden kann.

Überhaupt fragt man sich was die so mit dem ganzen Geld machen, das die von uns kriegen...Instandhaltung? Vielleicht, aber nicht bei uns. Rund 16.000 Euro bekommen die monatlich, allein von den Studenten im Zonnehuis. Wo das Geld bleibt, ist fraglich. Der Laden, eine "Non-Profit-Organisation", erscheint hoffnungslos überfordert mit den vielleicht 20.000 Wohnungen oder Einheiten, die sie ihr Eigen nennen.
Wenn man dann noch die Berichte über mangelhafte Neubauten, mangelhafte Kooperation und Ignoranz gegenüber den Mietern verfolgt, die im Internet kursieren (unter anderem hier; leider auf niederländisch), formt sich ein armseliges Bild dieser Wohnungsgesellschaft.

Neuerdings, laut einem Eintrag auf eben jenem Blog, bietet De Key Selbstverteidigungskurse für Mitarbeiter an. Frei übersetzt heisst es dort:
"Die Mitarbeiter werden in letzter Zeit immer häufiger mit Gewalt konfrontiert, nicht nur telefonisch, sondern auch am Auskunftsschalter. [...] Bis jetzt scheint es grosses Interesse für diesen Kurs zu geben. [...] Die Gesellschaft bedauert die Notwendigkeit dieses Kurses, hofft aber auf einen positiven Effekt..."

Und sowas bei einer Wohnugsgesellschaft, die eigentlich nicht mehr macht als Wohnungen vermieten, diese in akzeptablem Stand halten (sollte sie zumindest) und dafür Miete kassieren.
Es scheint, dass es doch einiges auszusetzen gibt und dass sich das Unternehmen nicht gerade durch Kundennähe auszeichnet. Ich kann mir gut vorstellen, wie Mieter, die mit ihrem Latein am Ende sind und sich von De Key übergangen bzw. ignoriert fühlen, mit der Kraft der Verzweiflung die heiligen Hallen stürmen und denen die Meinung geigen...
Um Frank Lehmann zu zitieren: "Irgendwas ist schiefgelaufen."

Und da fällt mir der Spruch ein, den ich am Tage meiner Ankunft in der Strasse Hoogte Kadijk gesehen habe, in der auch das Büro von De Key liegt:

Sehr lange glücklich auf den Kadijken

aber jetzt gehört es De Key
und bald für die Reichen
die Bewohner wieder vogelfrei
die müssen weichen

Weg mit sozialem Wohnungsbau
Für teure Apartments
Wieder ein schönes Stück A-dam in Bedrängnis
Alles dreht sich um's Geld

Dienstag, November 28, 2006

Haare ab!


Es wurde mal wieder Zeit. Eigentlich gehe ich für sowas ja zum Friseur, heute aber dachte ich mir, back to the roots, der Rasierer muss her. Da ich in diesem Falle dann doch lieber halbe Sachen mache - man kann ja nie wissen - und der letzte Radikalschnitt auch schon ein paar Jährchen (Järchen??) her ist, habe ich mich nur 21 mm getraut. Kürzer war mir unheimlich. Aber trotzdem ist es kurz geworden! Naja, ich finde das Ergebnis in Ordnung. Zoltan hat sich Mühe gegeben, und obwohl er bei weitem keinProfi-Friseur ist, hat er seinen Job gut gemacht! Die kleinen Macken fallen bald gar nicht mehr auf... ;)

Sonntag, November 26, 2006

Irgendwas ist komisch...

Heute morgen wollte ich Tee machen. Als ich in meinen Schrank schaute, sah ich einen Feuerlöscher. sonst nichts. Ein schneller Blick auf die Nummer an der Tür bestätigte mir, dass ich den richtigen Schrank geöffnet hatte. Wo aber kam der Feuerlöscher her? Hatte ich ihn gestern Nacht in einem Anflug von kreativem Einfallsreichtum dort hinein gestellt, um gegen die mangelhaften Brandschutzvorrichtungen im Zonnehuis zu demonstrieren?

Was aber war dann mit meinem Lebensmitteln geschehen? Grundnahrungsmittel, Knabberzeug, holländische Spezialitäten...alles weg, vom Erdboden verschluckt? Ein schneller Kontrollblick in die anderen Schränke brachte mich nicht weiter. Langsam begann ich nervös zu werden. Was, wenn mein Schrank nicht länger mein Schrank war? Vielleicht wurde er vom Hausmeister geräumt? Aber war ich dann noch sicher? Was, wenn sie morgen mein Zimmer räumen? Vom Küchenschrank zum Zimmer ist es kein weiter Weg, weder im bildlichen noch im wörtlichen Sinne. Wie um mir die Keule der bitteren Wahrheit noch einmal über den Schädel zu ziehen und dem Unfassbaren die Stirn zu bieten, öffnete ich den Schrank ein weiteres Mal. Aber es brachte nichts, der Feuerlöscher war immer noch da und mein Essen immer noch nicht. Nichts hatte sich verändert - es war also auch keine durch meinen halb schlafenden Zustand hervorgerufene Sinnestäuschung.
Nun aber wurde ich auch der Botschaft gewahr, die auf der Innenseite der Tür auf einen roten, gleichsam warnenden Zettel geschrieben war:

"If you want to see again your food, you must to pay!! look at 292 room!! Nicee!!"

Donnerstag, November 23, 2006

Happiness

Es ist schon hart genug. Alles. Das, was man so gemeinhin Leben nennt.
Das Wetter mies, Finanzen am Boden, Jobaussichten höchst unklar. Das Leben ist hart aber unfair. Geschenkt kriegt man schon lange nichts mehr.
Ist das so? Nun ja, vielleicht schon.
Aber was macht man dann damit? sollte man das auf sich beruhen lassen? Akzeptieren, dass die Welt gegen einen ist und sich in seinen Kokon zurückziehen und dort auf bessere Zeiten hoffen?
Geht, klar, ist möglich.
Man kann aber auch einfach versuchen, die Welt für sich und seine Mitmenschen ein bisschen freundlicher zu machen!

Letztes Wochenende auf dem Dam: Erst war es nur einer, doch zwei Stunden später war der Platz nahezu übersäht mit Leuten die Schilder hochhielten: "FREE HUGS"! Das ganze hat keinen tieferen Sinn, obwohl, ja, eigentlich ja doch. Und es funktioniert! Mach einen Menschen glücklich, bringe ihn zum Lachen, helfe ihm bei einer schwierigen Situation... oder umarme wildfremde Menschen (natürlich nur mit deren Einverständnis...)
Eine schöne Geste, und es macht Menschen tatsächlich fröhlicher!! So einfach kann es sein!

Also: tut etwas gegen die Kälte! Macht jemand glücklich! Jetzt!


"smile at the world and the world will smile back at you!" (Blade, Reflection)

Free Hugs in Amsterdam (YouTube)

Partners-InC








p.s.: Laut Wikipedia bewirkt Lächeln "angeblich nicht nur eine Veränderung des Gesichtausdrucks, sondern führt auch dazu, dass das Hirn Endorphine produziert, die körperliche und seelische Schmerzen verringern und das Wohlbefinden steigern."

Montag, November 20, 2006

EIN GEDICHT

der tisch ist vollgestellt mit sachen
zwei lampen geben kläglich licht
vom flur ertönt mitunter lachen
- nen grund um rauszugeh'n gibts nicht

nach draußen? oh, apokalypse
es stürmt und regnet tag und nacht
die straße eine einz'ge pfütze
das fenster besser zugemacht

denn oben, ja, dort ist es windig
es rüttelt an dem fensterrahm
die heizungsluft macht manchmal schwindlig
doch dafür ist es muck'lig warm

ein blick aufs graue amstelveen
zeigt wohnverbrechen noch und nöcher
kein schönes haus ist hier zu seh'n
die straßen haben große löcher

doch ja, ich bin doch näher dran
als manche der zurückgeblieb'nen
ne halbe stund' nach amsterdam
da kann man selbst schlechtwetter lieben

denn schließlich war das sonnenklar
bereits bevor ich hierher kam
das wetter hier ist sonderbar
nicht schön, die sommer nicht sehr warm

die winter sind auch nicht der hammer
es ist recht feucht und schnee ist selten
doch bitte, bitte, kein gejammer
denn wenigstens muss ich nicht zelten!

stattdessen gibts das sonnenhaus
das mich hier aufgenommen hat
es sieht zwar ziemlich hässlich aus
auch ist es recht weit von der stadt

doch ist der mensch gewohnheitstier
und meine hausgenossen nett
so langsam, hey, gefällt es mir
und will ich gar nicht wirklich weg.

naja...

das letzte war dann doch erfunden
es käme mir nicht in den sinn
wär' ich hier nicht vertragsgebunden
ich wär schon lang woanders hin

die küche ist kein schöner raum
von sauberkeit mal ganz zu schweigen
die teller stapeln sich, und kaum
ein platz ist dort zum zwiebelschneiden

und auch der raum von nebenan
mit klos und duschgelegenheiten
spricht mich nun echt nicht grade an
und ekelt mich schon fast beizeiten

doch sonst ist alles lotgerecht
der ausblick obendrein fantastisch!
alles in allem gar nicht schlecht
das bisschen unbehagen macht nichts

und bald zieh ich woanders hin
wohlan! in neue abenteuer
hauptsache ist: zum zentrum hin
und bitteschön nicht ganz so teuer

was da noch alles kommen mag
wer weiß es heut schon so genau
vielleicht ne wohnung nah beim park
und jeden tag nen bier für lau?

vom netten nachbarn nebenan
der alle meine hobbies teilt
mich zu sich einlädt dann und wann
und meine fingernägel feilt

doch ist bekanntlich wenig mehr
und ich bin auch recht schnell zufrieden
drum muss das bier nicht wirklich her
das feilen kann ich gern verschieben

und hier ein zimmer suchen heißt:
ganz selten etwas gutes kriegen
man muss sehr schnell sein und zumeist
noch harte konkurrenz besiegen

letztendlich wichtig ist daran
nur dass ihr's alle wirklich wisst:
ein ort, an dem ich ich sein kann
ein ort, der mir zuhause ist.

Mittwoch, November 15, 2006

Ein bisschen fürs Auge

Der Leidseplein im Abendlicht


Wahrscheinlich die coolsten Pissoirs Amsterdams


irgendwo

auch irgendwo, aber woanders

Montag, November 13, 2006

Nägel mit Köpfen

Na also, geht doch...
Man mag es kaum glauben, aber auf dem langen Wege der elektronischen Kommunikation zwischen International Office an der VU, dem Zentrum für Niederlande-Studien, dem Erasmus-Büro Münster und dem Außenposten Laan van de Helende Meesters 276 in Amstelveen scheint heute ein historischer Schritt gemacht worden zu sein:

Mein E-Mail Postfach überbrachte mir die freudige und offizielle Nachricht, dass einer Verlängerung meines Erasmus-Aufenthalts nichts im Wege steht!
Endlich mal was handfestes.
Und das Erasmus-Geld soll auch bald kommen, gab wohl einen 'Zahlendreher' in der Bankleitzahl...naja. Wenn jetzt noch mein Bafög-Antrag entstaubt und bewilligt wird ist wirklich alles im Lot.

Nun kann ich in der Vorfreude auf Frühling in Amsterdam die grauen Zeiten hier gleich nochmal besser hinter mich bringen und mich mit Elan an die Zimmersuche für nach Januar machen - dann endet nämlich mein Mietvertrag hier, und ich werde den Teufel tun und länger als unbedingt nötig im Zonnehuis verbleiben!


Wobei, irgendwie hat man es ja schon liebgewonnen...irgendwie...

Sonntag, November 12, 2006

Neues aus Kulinarien

Hah, ein herrliches Wochenende geht dem Ende entgegen. Wobei, eigentlich sollte man es von zwei Seiten betrachten, um ihm gerecht zu werden.
Einerseits hatten/haben wir das schlimmste Wetter das man sich vorstellen kann. Der Himmel scheint sich nicht mehr erinnern zu können, wie er dieses schöne Blau hingekriegt hat. Stattdessen übt er sich seit einer gefühlten Ewigkeit im Präsentieren von immer neuen Grau-Abstufungen. Dazu kam in den letzten Tagen ein orkanartiger Wind, der Nachts um unser Haus pfeift und an den Fenstern rüttelt. Heute Morgen bin ich von einem lauten, anhaltenden Rauschen aufgewacht - es stellte sich als Hagel heraus, der unablässig an mein Fenster prasselte. (Manchmal kann man in dem einheitlichen Grau sogar Wolkenstrukturen erkennen)
Aber irgendwie habe ich es bis jetzt meistens hingekriegt, einigermaßen trocken am Ziel anzukommen - vielleicht macht sich da die jahrelange Schlechtwetter-Übung aus Münster bezahlt - man hat es irgendwie im Blut.

"es wird kalt hier
müde Augenlider filtern persönliche Sicht
ich schließ meinen Parka und zieh meine Kapuze ins Gesicht
Regen und Sturmböen markieren das Gebiet
Sunnyboys erfrier'n weil der Sommer vorm Winter flieht"

(Roey Marquis feat. Profan 78 - Spiritual Combat)

Aber da man ja nicht nur meckern soll und das Leben nicht nur schlechtes Wetter austeilt, sondern ab und zu auch mal ein paar schöne Momente beschert, muss ich sagen: es ist alles gar nicht so schlimm!
(Außerdem, wie heißt es doch so schön: Es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung!)

Ich bin am Wochenende nämlich nicht nur in heftige Schauer, sondern auch in den Genuss gleich zweier Abendessen internationaler Couleur gekommen! Am Freitag hatten die Ungarn zum Essen geladen - Es gab Gulasch, eine Suppe mit Hähnchen und irgendwie Creme Fraiche und irgendwas mit Fisch. Die Hähnchen-Suppe hat alles geschlagen!! mmmhh...und dazu gabs homemade Rotwein aus Ungarn von Vattern!
Und als ob das noch nicht genug Service für ein Wochenende wäre, ging es am Samstag direkt weiter: Simon hatte Geburtstag und lud zum französischen Diner ein! Auch hier eine köstliche, dunkle Suppe mit Fleisch und Gemüse und dazu Kartoffeln. Und natürlich Rotwein! Es gab reichlich, und so konnten wir uns mit 12 Leuten sattessen!
Alles in allem war es ein erfolgreiches Wochenende, in jeglicher Hinsicht!
Und das bisschen Sauwetter kann einem da auch nicht mehr die Laune verderben...

Montag, November 06, 2006

Money Money Money

Leben in Amsterdam ist schön! Und teuer...
Das ist so lange kein Problem, so lang man einigermaßen finanziell versorgt ist... Aber sonst schaut man in die Röhre.
Wohnen: teuer. Kultur: teuer. Ausgehen: teuer.

Das Ganze wäre ja gar nicht so schlimm, wenn mal die Finanzversorgung der öffentlichen Stellen aus Deutschland funktionieren würde.

Aber nein: ERASMUS-Geld ist noch nicht angekommen. Mitte Oktober sollte es da sein. Und das Bafög-Amt ist sowieso die Krönung. Wenn man ein Auslandssemester macht, bleibt man an seiner Universität als ordentlicher Studierender eingeschrieben, beurlaubt, aber trotzdem. Bafög kann aber nicht weitergezahlt werden. Stattdessen muss man (für Holland) zum Bafög-Amt Hannover und dort einen gesonderten Antrag auf Auslandsbafög stellen.
Der Antrag ist eingegangen, alles schön und gut. Dann krieg ich aber zu hören, dass die Bearbeitungszeit für diesen Antrag sechs bis acht Monate dauert...Meine geplante Aufenthaltsdauer überschneidet sich nicht damit. Das heißt, ich kriege mein Auslandsbafög, wenn ich wieder in Deutschland bin. Super! Das bringt dann auch richtig was!! Glückwunsch für diese clever ausgeklügelte Bearbeitungsstruktur - astrein am Ziel vorbeigeschossen!

(ganz davon abgesehen, dass eine Bearbeitungszeit von sechs bis acht Monaten für jeglichen Antrag eine Zumutung ist)

Naja, da ich ja voraussichtlich doch länger bleiben werde, kriege ich dann irgendwann einen Batzen Geld, ist auch nicht schlecht...
Aber bis dahin ist Schmalhans Küchenmeister...
Langsam mahlen die Mühlen der Bürokratie...
Und da fällt mir Declaime ein, wie er in seinem Track 'Song In D-minor' sagt:

"Life aint no joke
especially livin life broke
i call it bein me"

post scriptum: aber keine Sorge, ansonsten ist immer noch alles im grünen Bereich! Und wozu gibts schließlich dieses überaus nützliche Institut namens Dispo??!!

Übrigens:

Ich versuche ab jetzt, die Sidebar mit der Sprachschule und Musiktip und so ein wenig thematisch zu gestalten und nicht mehr so willkürlich...erstes Thema: na, ratet mal....

Sonntag, November 05, 2006

Amsterdam - Capital of Festivals

Amsterdam scheint es echt nötig zu haben. Jede woche ist irgendwo ein Festival. Den Überblick zu behalten, ist unmöglich, geschweige denn, alles mitzunehmen, was hier so passiert. Während man sich noch im Melkweg auf einer Party vergnügt, verpasst man drei Straßen weiter schon wieder das nächste Filmfestival, und zwei Tage später gibt auf der anderen Straßenseite schon wieder eine neue Ausstellung...
Diesen Samstag war die Museumnacht - 40 Museen und ähnliches, 26000 Besucher, Kultur ohne Ende! Das Spektakel sollte man sich nicht entgehen lassen, und mit vergünstigten Eintrittskarten für 10 Euro das Stück waren ich und noch 59 andere Erasmus-Studenten mit von der Partie. In kleinen Gruppen sind wir dann losgezogen, um uns irgendwie durch das dicke Programm zu arbeiten.

Im Rijksmuseum geht es los, wo es neben den alten Meistern einen Schoko-Springbrunnen und Cocktails und Häppchen gibt. Für dieses Museum braucht man aber Zeit und Muße, von daher gehen wir schnell weiter und nehmen uns vor, mit etwas mehr Zeit an einem anderen Tag wiederzukommen.Die Magd mit dem Milchkrug, Johannes Vermeer

Unser nächstes Ziel heißt Foam - Fotomuseum Amsterdam. Innendrin stylisch-minimalistische Einrichtung, gute Fotos, unten legt ein DJ guten Techno auf und oben findet sich unter anderem eine Ausstellung mit Bildern aus Marseille, unterlegt mit feinster Musik von IAM. Sehr gut! Auch dies ein Ort zum Wiederkehren. Vom Foam aus geht es dann erstmal zu einer portugiesischen Synagoge aus dem Jahr 1670, der ältesten und größten in Amsterdam. Nach einer langen Schlange und Sicherheitskontrolle mit Metalldetektor kommt man in den Vorhof der Synagoge. Dort gibt es Falafel für 5 Euro und einen Alleinunterhalter, der jüdische Musik mit vorprogrammierten Beats auf dem Keyboard spielt und dazu singt. Wie aus dem Bilderbuch. Die Stimmung ist gut, und schon bald tanzen die ersten Männer ausgelassen im Kreis und versuchen, die Umstehenden mitzureißen.

Im Innern der Synagoge erwartet uns eine fast schon erhabene Atmosphäre, und trotz der Menschenmassen strahlt der große Raum diese für Kirchen typische Ruhe aus - es gibt kein künstliches Licht, der Raum ist erleuchtet von hunderten von Kerzen. Dankbar nehmen wir das unausgesprochene Angebot an und setzen uns ein wenig, um zu verschnaufen. Schließlich haben wir noch einiges vor.
Gestärkt und ausgeruht begeben wir uns auf den weiteren Weg. Auf dem Weg zu unserem Endziel kommen wir am botanischen Garten vorbei und beschließen, einen Blick reinzuwerfen.

Die verschlungenen Wege laden zum Lustwandeln ein, und so spazieren wir ein wenig durch den nächtlichen Garten, vorbei an erleuchteten Bäumen und zwei Lagerfeuern, wo wir uns ein wenig niederlassen. Im Hintergrund hört man die gedämpften Beats aus dem Gewächshaus, wo bereits getanzt wird. "Schön hier!", lautet das einhellige Fazit.
Von dort aus steuern wir dann das Architekturmuseum an, was sich aber als eher trocken herausstellen soll. Die Ausstellung ist auf das Jahr 1986 und damit auf das Gründungsjahr des Museums beschränkt. Wir gehen recht schnell weiter, zum Schifffahrtsmuseum. Anfangs eher skeptisch, macht sich schnell Begeisterung breit, als wir das Schiff betreten, einen Nachbau eines holländischen Ostindienseglers aus dem 17. Jahrhundert. Das komplette Schiff ist begehbar und so kriegen wir einen guten Eindruck der 'Reise'bedingungen auf so einem Kahn. 6 Monate auf See, mit 300 Mann an Bord. Von der Kapitänskajüte bis zum Laderaum besichtigen wir alles und verweilen schließlich noch ein wenig an Deck, wo eine Gruppe Seefahrer in traditioneller Kleidung traurige Seemannslieder singt und es so schafft, eine tolle Atmosphäre aufzubauen. Sehr liebevoll umgesetzt und somit auch eines der Highlights des Abends.


Wir sind fast fertig, wollen aber noch kurz ins Stedelijk Museum hinterm Bahnhof. Dort finden wir, in einer kargen minimalistischen Kulisse - wie es sich anscheinend für ein Museum für moderne Kunst gehört - Design für den Luftfahrtbereich und moderne Kunst, die die Grenzen meines Verständnisses sprengt.
Wir beschließen, das Museum Museum sein zu lassen und begeben uns nach nebenan in die Schlange vor dem Club 11, sicher einer der coolsten Läden der Stadt. Nach 45 Minuten Warten kommen wir endlich rein und werden mit einem komplett bemalten Aufzug, in dem für die musikalische Einstimmung ein Ghettoblaster steht, zur elften Etage gebracht. Dort oben erwartet uns ein weitläufiges Areal mit gemütlichen Sitzecken, einem fantastischen Ausblick und guter Musik, alles recht stilvoll gestaltet und somit der perfekte Abschluss für einen Abend Kultur-Overkill. Als die Jungs um 5 Uhr Schluss machen, bin ich müde und zufrieden und trete mit meinen letzten Kraftreserven den Rückweg an.