Freitag, September 29, 2006

nighthawks

gestern war mal wieder ein borrel im cafe du lac.diesmal waren erstaunlich wenig leute da, die ganze veranstaltung wurde somit übersichtlicher und das chaos nach schließung der türen weniger ausgeprägt...eine reihe von leuten wollte ins 'escape', anscheinend eigentlich ein techno/trance-schuppen...nach langem hin und her entschlossen wir uns dann, trotz allem mal dort vorbeizuschauen. 10 euro eintritt und eine lange schlange waren aber zwei der gründe warum wir doch draußen blieben. der rest des abends wurde bei schlechter musik und teurem bier in der bar 'thorbecke' verbracht. als wir rauskamen sahen wir die waschmaschine. wir dachten, ein prominenter platz wäre ihrer majestätischen erscheinung angemessen.



als ich mich später mit thomas auf den heimweg machte, legten wir einen kleinen zwischenstop beim museumsplein ein, um die sicht auf die nächtliche, friedlich schlummernde stadt zu genießen. zurück bei unseren bikes, kamen plötzlich ein paar jungs um die ecke. auf ihren schultern: ein sofa! man, wie in der fanta-werbung, dachte ich. ungefähr auf unserer höhe stoppten sie und ließen das sofa auf den asphalt sinken...ein bierchen später und nach ein wenig plauderei ging es weiter auf ihrer nächtlichen odyssee...verdammt, das ist eine der sachen die ich irgendwann nochmal machen werde!


Dienstag, September 26, 2006

Paranoia, anyone?


In Amsterdam wurde eine neue Kampagne gestartet. Die Angst vor Terroranschlägen ist allgegenwärtig, auch in den Niederlanden, und hier natürlich vor allem in Ballungszentren. Man kann nie wissen, wann sie das nächste Mal zuschlagen.
Nach dem 11.09.2001 hat sich vieles verändert. Plötzlich werden Bürgerrechte, deren Erhalt vorher selbstverständlich erschien und keiner Diskussion bedurfte, mit Füßen getreten und für nichtig erklärt. Schließlich befinde man sich im Kampf gegen den Terror; ein Argument freilich, das reichlich vage ist und trotzdem als Rechtfertigung für so manche Verschärfung der geltenden Gesetze herhalten muss. Und man lässt es sich gefallen. Schließlich ist die innere Sicherheit ein hohes Gut und muss erhalten bleiben. (Auch das wieder so ein schwammiger Begriff, ein Schlagwort ohne eigentlichen Inhalt)
Und vergessene Taschen sind nicht mehr einfach nur vergessene Taschen. Im Zuge der zunehmenden Panik vor den nächsten Anschlägen wächst der Verfolgungswahn der Bevölkerung oder zumindest der Obrigkeit. Jede vergessene Tasche könnte eine Bombe beinhalten, jeder halbwegs 'islamistisch' dreinblickende Araber wird der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung verdächtigt. So was nennt man dann Generalverdacht, Präventivmaßnahme oder was weiß ich.
Anscheinend ist die niederländische Bevölkerung nicht misstrauisch genug und soll zu mehr Aufmerksamkeit erzogen werden. So kann man sich zumindest die just gestartete Kampagne erklären. Auf den Plakaten (s.o.) sieht man z.B. eine aufmerksam und misstrauisch dreinblickende ältere Dame und darüber den Satz: "Wenn ich etwas verdächtiges sehe, melde ich es sofort!". Darunter der Hinweis: "eine halb versteckte Tasche? Alarmiere die Polizei oder wähle 1-1-2!"
Auf einem anderen Plakat sieht man einen Ordnungshüter, der den 'Leser' auffordert: "Sehen Sie etwas Verdächtiges? Sagen Sie uns Bescheid!"
Die ganze Aktion läuft unter dem Namen "Nederland tegen Terrorisme" (Niederlande gegen den Terror).
Nun, es geht auf diesen Plakaten allein um herrenlose Taschen. Und doch ist ihnen eine Aufforderung zum weitergehenden Denunziantentum immanent, wenn auch nicht explizit geäußert. Doch die Plakate ermutigen dazu, alles 'Verdächtige' umgehend der Polizei zu melden. Und da haben wir es wieder: Wie definiert man 'verdächtig'? Auch dies also ein reichlich schwammiger Begriff, der genügend Platz zur eigenen Interpretation bietet. Und es ist nur ein kleiner Schritt vom aufmerksamen Mitmenschen, bei dem beim Anblick einer vergessenen Tasche gleich alle Alarmglocken schrillen, zum misstrauischen Beobachter, der bei seinen Nachbarn verdächtiges Verhalten meint zu erkennen und die Polizei auf ihn ansetzt, weil er meint, seiner Pflicht als anständiger Bürger nachzukommen. Das wiederum schafft eine generelle Atmosphäre von Misstrauen gegenüber seinen Mitmenschen und ein ungesundes Klima in einer Gesellschaft, in der Immigranten und Andersdenkende sowieso mehr isoliert als integriert werden. Auch in den Niederlanden, lange Zeit als der Vorreiter in Sachen Integration bezeichnet, ist dieses Problem seit langem existent.
Es ist nicht verkehrt, ein wachsames Auge zu haben und sich der Gefahr von Terroranschlägen bewusst zu sein. Diese Kampagne allerdings schießt über das Ziel hinaus, schürt sie doch Ängste, die öffentlich zugängliche Plätze, den Nahverkehr, Bahnhöfe etc. mehr und mehr als ständig bedrohte und bedrohliche Orte erscheinen lassen und in weiterer Konsequenz auch das Misstrauen gegenüber unseren Mitmenschen verstärken. Und eine ausgeprägte Paranoia ist das letzte, was wir in diesen Tagen gebrauchen können.
An einem Sonntag im September bei Uilenstede

irgendwo am Wasser in der Plantage

Acht Kontrolleure warten auf ihr nächstes Opfer

Dach, 12. Stock
kairi taking pictures
kairi, sandra, jed, justinas
Thomas' Hose, das letzte sichtbare Zeugnis des letzten Abends

ich und der selbstauslöser

Montag, September 25, 2006

back into civilisation

Ein kleines Nickerchen, schnell aufgestanden, um zum Supermarkt zu hetzen, obligatorisches hoffnungsloses Internetverbindung überprüfen, um doch nur wieder enttäuscht zu werden...
Und schwups, da isser!
Die zivilisierte Welt hat mich wieder, nach einem Monat Kommunikationsloch irgendwo zwischen hier und ich werd nicht mehr bin ich nun wieder an die große weite Welt angeschlossen!
Gestern hab ich schon vom Internet geträumt...es wurde also wirklich Zeit...
Ok, die Downloadrate lässt zu wünschen übrig wie ein Flaschengeist, aber, hey, was solls!
Internet, i love you!

party und kein ende

mann mann, irgendwann muss ja auch mal schluss sein. am freitag haben wir eine party bei uns im wohnheim organisiert. und obwohl wir am arsch der welt sind, kamen sogar einige aus dem guesthouse vorbei. es wurde geredet, gelacht, getrunken, geraucht, getanzt, kurz: gefeiert. es wurde laenger und laenger, und irgendwann fanden wir uns mit einer flasche brandy im zimmer von justinas aus litauen wieder. es war einer dieser abende, an denen man nicht ins bett geht. weil man nicht will, weil es noch bier gibt, weil man sich nicht traut...naja, eigentlich war es morgen. um sieben kam jed auf die idee, das dach zu erobern. ich erinnerte mich an eine luke in der decke, und schwups, keine 10 minuten spaeter standen wir auf dem dach unseres hauses. seit ich in der gartenstrasse das flachdachprivileg geniessen konnte bin ich stets darauf erpicht, aufs dach zu gelangen. irgendwie gehts immer. es wurde ein grosser spass, und zusammen mit jed, justas, kairi, sandra und einer flasche gutem roten sahen wir einen schoenen sonnenaufgang, dessen idylle allerdings von den den himmel dominierenden wolken getruebt wurde. unsere laune konnte das allerdings nicht verderben. es folgte ein kurzer chillout in meinem zimmer, bis um ca. neun uhr dann auch schluss war. der schlaf am tag ist nicht der erholsamste, und so fuehlte ich mich geraedert und gesteinigt, als ich um vier aus dem reich der toten zurueckkehrte. die drum'n'bass-party, auf die ich mich seit einem monat gefreut hatte, musste dann aufgrund hoeherer gewalt ausfallen...stattdessen mal wieder party im guesthouse, bis frueh morgens...
ich glaube, dass hier nur so viele partys stattfinden, weil alle angst haben etwas zu verpassen. ich meine, das ist nicht der grund, weshalb partys veranstaltet werden, wohl aber ein grund fuer den grossen andrang und die lange lebensdauer dieser veranstaltungen. und genau das ist fatal. nun ja, vergnuegsam auch, und schliesslich sind wir ja alle nur unserem freien willen unterworfen. aber doch, irgendwie, es ist fatal. es handelt sich hier zwar nicht um gruppenzwang, aber doch ist es eine ausgepraegte gruppendynamik, die dafuer sorgt, dass kein partydefizit aufkommt.
vielleicht ist es doch ganz gut, dass ich im zonnehuis wohne. schliesslich will ich auch studieren. auch.

nachtrag

der arme thomas. wenn ihr die geschichte mit der taufe gelesen habt, seid ihr ja schon auf dem laufenden. am naechsten tag besuchte ich simon. ach ja, dazu muss man sagen: thomas hat noch kein zimmer gefunden und wohnt deshalb bei simon, ein freund, ebenfalls aus bordeaux.
als ich also bei simon ankam, sah ich schon eine noch halbwegs nasse hose ueberm balkongitter haengen, die wie eine warnung den vorabend erneut heraufbeschwor. simon brachte mich dann auf den stand der dinge: wir waren wohl wirklich schneller als die anderen - ein zwischenstop im vondelpark war schuld daran - und, was ich nicht wusste (wohl aber haette wissen koennen), thomas, der ja nur zu gast bei simon ist, hat keinen schluessel! das bedeutet: als thomas, nass und frierend, 'zu hause' ankam und sich schon in der naehe einer waermenden decke waehnte, traf er simons zimmer dunkel und verlassen an. die tatsache, dass dessen zimmer im ersten stock ist, plus das vorhandensein eines balkons und einer regenrinne sorgten dann aber doch dafuer, dass thomas irgendwie hineingelangte. der arme. ich hoffe dass mir so etwas nicht passiert. denn ohne schluessel hab ich im elften stock ohne balkon ein problem.

Freitag, September 22, 2006

i want to ride my bicycle

vom zonnehuis bis in die stadt zum leidseplein sind es ungefaehr 9 km. sagen jan und jed. glauben wir ihnen mal. ich bin jetzt ungefaehr 30 tage hier. in diesen 30 tagen bin ich, im schnitt, sagen wir, einmal zum leidseplein und zurueck gefahren. im schnitt. wenn man das mal hochrechnet, das sind das...ja, moment mal, das wuerde ja heissen...ich bin im letzten monat ungefaehr 540 km fahrrad gefahren! das muss man sich mal vorstellen...540 km! mann mann mann...ich werd noch zum sportler, wenn das so weitergeht...


aber fahrradfahren ist ja gesund. und so langsam beginne ich eine beziehung zu meiner leeze zu entwickeln. wer erinnert sich noch an den 'legendaeren' song der prinzen? recht hatten sie! meinem fahrrad werd ich treu sein...

was bleibt mir auch anderes uebrig?

Franzosentaufe

es ist an der zeit mal ein paar worte ueber das nachtleben zu verlieren, auch wenn man sich das wohl ausmalen kann, wie das hier ablaeuft. dauernd geht irgendwo irgendwas, und meistens faengt alles an mit einem haufen leute, die sich irgendwo zum gemeinsamen biervernichten treffen. mit fortschreitender stunde wird alles unuebersichtlicher und irgendwie verschwommen, bis man sich dann irgendwo in der stadt oder im guesthouse wiederfindet und mit den verbliebenen leidensgenossen den rest des abends irgendwie hinter sich bringt. also im grunde nichts anderes als in jeder anderen stadt auch...;)
da wir aber erasmus-studenten sind und die esn-leute von der uni, die sich um uns "kuemmern", uns in die society integrieren wollen, gibt es einmal in der woche einen sog. 'borrel'. borrel ist niederlaendisch und bedeutet woertlich uebersetzt glaub ich so viel wie schnaps, aber hier bezeichnet man mit 'borrel' schlicht und ergreifend ein treffen, bei dem 'gezelligheid' beim gemeinsamen alkoholkonsum im vordergrund steht. so einfach kann das leben sein. also trifft sich jeden donnerstag das gros der international students in einer kneipe in der stadt, um sich bis zum unsaeglich fruehen schliessungszeitpunkt um ein uhr nachts (hallo? was soll das denn? ein uhr? sperrstunde oder was?) in konversation und bierkonsum zu ergehen. danach machen alle laerm auf der strasse, und es dauert immer ca. eine halbe stunde, bis sich die menschenmenge langsam aufloest und verschiedene kleinere gruppen die naechsten ziele ansteuern. also auch das nichts neues soweit.
(erstaunlicherweise kann man unter der woche nach drei, vier uhr nirgends in der stadt mehr was trinken gehen. alle laeden sind zu, tankstellen gibt es nicht und wenn, dann verkaufen sie kein bier...ach, da lob ich mir die mocambo-bar, wo man auch um sieben uhr morgens noch freundlich empfangen und bedient wird!)
gestern sind wir dann schliesslich mit ungefaehr 10 leuten und nach diversen lokalitaeten an einer gracht bzw. auf einem boot gelandet. ein kleines boot mit aussenborder, auf dem so 5 leute platz haben. der rest sass am ufer. nicht mehr ganz nuechtern, begannen wir mit dem boot zu schaukeln. das ging auch gut. aber irgendetwas musste sich veraendert haben, denn ploetzlich machte es PLATSCH!! und tomas, ein ulkiger franzose aus bordeaux, war im wasser.
gerade ne woche hier, zum ersten mal betrunken in der stadt unterwegs, und schwupp! schon passiert es! wir hieften ihn wieder zurueck ins boot und beschlossen, dass wir alle vielleicht besser wieder festen boden unter die fuesse bekommen sollten...zitternd und irgendwie aufgekratzt stand er da, wie ein begossener pudel, und schien sich gar nicht um seinen zugegebenermassen mitleiderregenden zustand zu scheren...im gegenteil schien er sich zu freuen, in einer amsterdamer gracht geschwommen zu sein...! die gruppe loeste sich kurz danach auf, und eine halbe stunde, einige flueche und aengstliches umherschauen spaeter hatte tomas auch sein fahrrad wiedergefunden. die verrueckten franzosen. auf dem rueckweg verloren wir dann noch alle anderen, und so kaempften wir uns zu zweit durch die dunklen amsterdamer strassen zurueck nach amstelveen. ich glaube, tomas ist gut nach hause gekommen. hoffentlich hat sich nicht erkaeltet.

(foto: http://cirka.net/pictures/amsterdam+prague/index.html)

Dienstag, September 19, 2006

BIlder Bilder Bilder

So, fuer alle Lesefaulen hier mal wieder ein paar Fotos...
Uebrigens, die Story mit dem nackten Hollaender ist nun auch grafisch erlebbar...ein Foto von ihm konnte ich aber leider nicht machen...
Vondelpark
Vondelpark - die Buehne erinnerte mich irgendwie an die Buehne in "Wildstyle"

Raadhuisstraat (mit ueberdachtem Buergersteig!)


irgendwo an der Herengracht

links davon auf der anderen Strassenseite

die gleiche Ecke nochmal

Ecke Spuistraat/Kattegat

ebenfalls Kattegat

eine schoene kleine Strasse nahe der Herengracht

bewusstseinsveraenderndes Zeug

Uni

dito


guten morgen!

man, was fuer ein auftakt. scheisse geschlafen, tausendmal wach geworden, die skurrilsten traeume gehabt (es waren bestimmt 4 verschiedene, und einer war wirscher als der andere), und als ich relativ uebermuedet aufstand und meinen allmorgendlichen blick aus dem fenster taetigte, musste ich feststellen, dass es in stroemen regnete.
ok, heute nehme ich wohl die metro zur uni, dachte ich mir. auf dem weg nach unten hatte ich im aufzug dann gesellschaft von zwei stinkenden uebervollen muellbeuteln, und die metro habe ich nur erreichen koennen, indem ich meine letzten kraefte fuer einen eins a-sprint mobilisierte. als ich in der uni ankam, erwartete mich dann das allmorgendliche gedraenge vor den aufzuegen und der ermuedende kampf um einen der begehrten plaetze in selbigen. mit 16 mann ging es dann nach hartem kampf nach oben.
es kann also nur besser werden.

p.s.: uebrigens ist die hoellenmaschine endlich weg und ich kann wieder mit offenem fenster schlafen, ohne um sieben uhr morgens aus meinen suessen traeumen gerissen zu werden!

Montag, September 18, 2006

strange encounter II

Letzten Samstag begab ich mich mal wieder zu den von mir so geschaetzten ruinen nahe der studentensiedlung uilenstede. bewaffnet mit kuehlem bier und ein paar dosen wollte ich dort den nachmittag und fruehen abend verbringen. auf der suche nach einer freien stelle gelangte ich schliesslich bis auf das dach des gebaeudes. dort gibt es eine art heruntergekommenen maschinenraum, in dem frueher zum beispiel die zugmaschinen fuer die aufzuege standen.
ich hatte nicht wirklich damit gerechnet, dort jemanden anzutreffen, und doch war ich weniger ueberrascht als man annehmen sollte. als ich besagten raum durch die tueroeffnung betrat, wurde ich sekunden spaeter einer person am anderen ende des raumes gewahr.

nach einer kurzen schrecksekunde sah ich noch einmal genauer hin und erkannte einen mann im besten alter, 40-50 vielleicht. ich hatte wohl nichts von ihm zu befuerchten, schliesslich war er zu meinem erstaunen komplett nackt. bis auf seine schuhe (der boden dort oben ist dreckig und staubig) hatte er nichts an. gar nichts. an diesem tag sollte ich also meinen ersten nackten hollaender zu gesicht bekommen. ich fragte ihn etwas verlegen, ob ich stoeren wuerde. aber er schien kein problem mit dieser skurrilen situation zu haben. seine hagere gestalt und sein freundliches aussehen, kombiniert mit dem ort unseres aufeinandertreffens, bildeten eine merkwuerdige situation, der ich mich nicht entziehen wollte. ich haette einfach wieder runtergehen koennen. stattdessen aber schien der mann froh ueber ein bisschen gesellschaft zu sein, und so kamen wir ins gespraech - ich bemueht, ihm ins gesicht zu sehen und diese surreale situation so alltaeglich wie moeglich erscheinen zu lassen; er mit der gelassenheit eines ostdeutschen fkk-anhaengers.

ich fragte ihn, ob er dort wohne (wenn ich ein penner in amsterdam waere, ich wueder mit sicherheit dort einziehen...ruhig, frische luft, elf etagen zum austoben, grandioser blick, trocken...nur im winter koennte es etwas zugig sein..) aber er entpuppte sich als ein 'normaler' hollaender, der an seinen freien tagen gerne mal hierhin kommt, um sich in ruhe in der sonne zu aalen. weiterhin schien er alles ueber die ruinen zu wissen. eine perfekte kombination - ich, neugierig weil ziemlich unwissend, er, allwissend und anscheinend mitteilungbeduerftig. die naechsten 20 minuten erzaehlte er mir alles - vorher war irgendein steuerdienst hier ansaessig, die gebaeude stehen seit ca. 10 jahren leer und es gibt noch eine menge hochwertiges elektronisches zeug, das man gewinnbringend verkaufen koennte! tatsaechlich war zu diesem zeitpunkt im haus nebenan jemand damit beschaeftigt, alle brauchbaren elektrizitaetssachen zu demontieren...jetzt weiss ich was ich machen kann wenn ich mal pleite bin!

es folgten noch eine ganze menge mehr oder weniger interessanter informationen ueber elektrische geraetschaften, den marktwert hochwertigen stahls und die kapitalvernichtung, die hier in seinen augen betrieben wird. im letzten punkt musste ich ihm recht geben; anstatt diese haeuser abzureissen, taete die stadt amsterdam angesichts der desastroesen lage auf dem amsterdamer wohnungsmarkt und dem zimmerdefizit gerade unter studenten gut daran, diese gebaeude zu studentenwohnheimen umzufunktionieren und anschliessend zu wucherpreisen zu vermieten. nebenan stehen schliesslich schon ein paar von diesen haesslichen teuren kloetzen.

langsam hatte ich genug gehoert. spruehen ist dort ueberhaupt kein problem, niemanden kuemmert es und so kann man sich dort in aller ruhe auslassen. befluegelt durch diese positive und nuetzliche information verabschiedete ich mich von ihm, um mich so langsam mal ans werk zu machen. ich fand aber direkt um die ecke eine stelle und rief hinein, ich haette etwas gefunden. er kam neugierig nach draussen (mittlerweile mit einem knappen roten schluepfer bekleidet) und begutachtete interssiert die von mir zu bespruehende flaeche. wir waren uns einig: dieser platz ist in ordnung.

er kam spaeter nochmal wieder, als ich bereits seit einer zeit zu gange war, und schaute mir ein wenig zu. ein bier wollte er nicht, stattdessen trank er orangensaft aus dem tetrapak. ich malte weiter und hoerte gleichzeitig mit halber aufmerksamkeit seinem gerede zu. es wurde nun weniger interessant. trotzdem hatte ich ein schlechtes gewissen, als er mit den worten: "ich lass dich dann wohl mal besser in ruhe" wieder rein ging. ich wollte nicht unfreundlich erscheinen. als ich spaeter fertig war und auf die andere seite des dachs wollte, um mir den sonnenuntergang zu gemuete zu fuehren, musste ich feststellen, dass er gegangen war, ohne sich noch einmal zu verabschieden. irgendwie war ich enttaeuscht.

Dienstag, September 12, 2006

Fahrradfahren , Folge XIII


Ein paar Auszüge aus einem guten und informativen Reiseführer:

(ok, eigentlich ist das Fahrradthema ausgeschlachtet, aber es ist nunmal essentieller Bestandteil des Amsterdamer Lebens, darum: mijn excuses!)

"Strassenbahnen haben Vorfahrt und Radfahrer brauchen sehr viel Platz. Seien sie beim Rechtsabbiegen besonders vorsichtig und gewaehren sie Radfahrern immer die Vorfahrt!"

"Schauen sie sorgsam in beide Richtungen, wenn sie Gleise ueberqueren. Gehen sie vor allem nicht auf Radwegen!"

"Hollaendische Radfahrer sind geborene Anarchisten. Folgen sie keinesfalls deren Beispiel!"

"Seien sie beim Fahrradkauf vorsichtig. Die billigen, auf der Strasse angebotenen, sind fast immer gestohlen, und die teuren aus den Fachgeschaeften werden fast immer gestohlen..."

Kontrolleure galore


Inspiriert durch die aufheiternden bis schockierenden Busfahr-Geschichten der Steckrueben fiel mir noch ein kleines Erlebnis ein...
Es begab sich zu einer Zeit da ich noch nicht lange in Amsterdam verkehrte. Von den Wegen des oeffentlichen Personennahverkehrs - in Holland kurz openbaar vervoer - weitestgehend unwissend begab ich mich an einem Abend in die Innenstadt. Nur so zum Spass, um Amsterdamluft zu schnuppern...Mit Kontrolleuren hab ich bis jetzt wenig Erfahrung gemacht. Ok, klar, im Zug immer, aber in Bussen? Nada. Seitdem die in Muenster die nervtoetende Regel eingefuehrt haben, dass man immer seine Karte zeigen muss, sind Kontrolleure wahrscheinlich auch noch seltener geworden. Und da ich ja sowieso ein Verfechter des Drahtesels bin, ist mein Wissen ueber Kontrolleure eher theoretischer Natur. Einmal wurde ich kontrolliert. Das liegt schon Jahre zurueck und zum Glueck hatte ich eine gueltige Karte.
Nun zum Wesentlichen: Die Kontrolleure in Amsterdam sind anders. Was sie direkt liebenswert macht, ist, dass sie stets Uniformen tragen. So kann man also, wenn man aufmerksam ist, die JUngs an der kommenden Haltestelle erspaehen und noch schnell abstempeln. Was sie weniger leibenswert macht, ist, dass sie in Gruppen auftreten. Und damit meine ich Gruppen!
Ich sitze also in der Tram, die gerade auf den Museumsplein zusteuert. An der Haltestelle wartet eine blaue Masse. Misstrauisch schaue ich genauer hin, und als sich die Tueren oeffnen, weiss ich, was es ist: Kontrolleure stroemen in die Bahn. Nicht einer, nicht zwei, nicht drei....es hoert gar nicht mehr auf! Die Jungs verteilen sich und nehmen den gazen Zug auseinander (bildlich). Waehrend dieser Kontrollaktion schleicht die Tram durch die Stadt, so dass keiner die Moeglichkeit hat, bei der naechsten Haltestelle zu entkommen. Um mich herum werden zwei, vielleicht drei Schwarzfahrer erwischt. Ich weiss es nicht genau, weil sich der ganze Prozess sehr diskret abspielt. Niemand erhebt seine Stimme, es herrscht eine freundliche \und entspannte Atmosphaere. Die armen Leute die erwischt werden fuegen sich widerspruchslos ihrem Schicksal, und die Kontrolleure sind durch nichts aus der Ruhe zu bringen. Als ich schliesslich mit ihnen zusammen bei der naechsten Station rausmuss, frage ich einen, mit wie vielen sie unterwegs seien. Zwoelf!, antwortet er lachend. Unglaeubig schuettele ich den Kopf. Woher ich komme, moechte er wissen. Aus Deutschland! Seine Frau sei deutsch, deswegen koenne er das raushoeren. Wirklich? Es folgt noch ein netter Plausch ueber Deutsche und Hollaender und wir tauschen ein paar Allgemeinplaetze aus, bis sich unsere Wege schliesslich trennen...

Samstag, September 09, 2006

dieses gemaelde stammt vom alten meister johannes vermeer und zeigt seine heimatstadt delft. ich zeige es euch, weil es eine typisch hollaendischen himmel zeigt. abgesehen von de letzten tagen, in denen die sonne von einem wolkenlosen himmel herabschien und es lekker warm war, ist dies mehr oder weniger der himmel, den ich jeden tag von meinem fenster aus sehen kann!

jaja, die alte fahrradgeschichte...waehrend eines spaziergangs durch die stadt wurde ich dieses schildes gewahr, nahe der Universiteit van Amsterdam. ein unikat, international gesehen; es gibt wohl kaum viele staedte die solche schilder aufstellen...


die wahrscheinlich schmalste gasse amsterdams...geschaetzte breite 1 meter...im rotlichtviertel. wenn man den gang durch dieses enge gaesschen wagt sieht man sich bald flankiert von zwielichtigen damen die dort ihr lukratives geschaeft betreiben...


die Oude Kerk (alte kirche) im herzen der oude zijde bzw. des rotlichtviertels. gesehen bei einer universitaeren dreistuendigen fuehrung durch das historische amsterdam. ab jetzt werde ich jeden donnerstag in den genuss einer solchen fuehrung kommen!

Donnerstag, September 07, 2006

more than words

Wer keine Lust hat zu lesen kann auch einfach Bilder gucken...
die hoellenmaschine, die mich taeglich um meinen wohlverdienten schlaf bringt


ouderkerkerlaan

das zonnehuis, mein trautes heim


ruine, 11. stock, 20:30 uhr


die ruine (eine von drei)


haltestelle ouderkerkerlaan


blick vom damrak


mittelalterliche haeuser im zentrum, gespiegelt in einer pfuetze


sitzgelegenheit vor der uni


blick aus dem 10. stock der VU



breaker auf dem leidseplein, dem touristischen dreh- und angelpunkt des suedlichen zentrums