Freitag, März 23, 2007

Sag's noch ein Mal, Steinberg....


Jazz, Jazz, Jazz...Helge Schneiders 'Jazzclub' ist ein großartiger Film. Es geht um Jazz. Musiker, die jeden Abend in einer Bar spielen. Piano, Schlagzeug, Kontrabass. Ohne auch nur einen Cent zu verdienen. Zuschauer gibt es nämlich kaum welche.
Das ist hier in Amsterdam zum Glück anders. Der Jazz hat hier, in dieser über alle Maßen internationalen, kulturbegeisterten Stadt ein angemessenes Zuhause gefunden - was auch seine tragischen Seiten haben kann: der begnadete Trompeter Chet Baker starb im Jahre 1988 in Amsterdam, nach jahrzehntelanger Drogensucht. Die Ursachen seines Todes sind bis heute nicht eindeutig geklärt; klar ist nur, dass er wohl aus dem Hotelfenster gestürzt ist - ob ihn ein aufgebrachter Dealer geschubst hat oder er einfach zu breit war und hinuntergefallen ist, weiß niemand so genau...
Naja, der Jazz ist auf jeden Fall lebendig wie eh und je. Es gibt unzählige Live-Sessions in der Stadt, und zwei Orte haben sich besonders bewährt: jeden Abend gibt es Sessions im Café Alto, der wohl ältesten Jazz-Bar in Amsterdam, ein kleiner, schmaler Laden mit einer kleinen schmalen Bühne, auf der die Musiker immer nur so grade eben Platz haben. Die BEsetzung wechselt fast jeden Abend, und dort durfte ich schon so einige Sternstunden miterleben. Etabliert hat sich aber auch der Dienstag-Abend, an dem im exklusiven Muziekgebouw Studenten des Konservatoriums einen zum Besten geben, auf der Bühne des Bimhuis vor traumhafter Kulisse...



Sonntag, März 11, 2007

Tag am Meer

Blick auf die 'Skyline' von Zandvoort

Gestern war es so weit: zum ersten Mal, seitdem ich in Amsterdam bin, habe ich das Meer gesehen. Meer und alles was damit zu tun hat - unendliche Weiten, lange Sandstrände, ein kräftiger Wind, der unverwechselbare Geruch an der See, Wellenrauschen, Möwenkreischen, Muschelsammeln usw. - ist ein Grundbedürfnis des Menschen, da waren Laura und ich uns einig. Komisch also, dass wir noch nicht früher da waren.
Gestern aber haben wir uns mit sieben Mann nach Zandvoort aufgemacht und einen schönen Tag am Strand verbracht - kalt war es, oh ja, und ich habe mit dem Lenkdrachen von Moritz beinahe zwei Spaziergänger geköpft, weil das mit dem Lenken doch nicht so einfach ist, so beim ersten Mal. Und ich habe beim Muschelsammeln ziemlich nasse Füße gekriegt, weil ich nicht auf die Wellen geachtet habe. Aber sonst war es einfach schön!

is doch ziemlich frisch...

kurz vor dem Mordanschlag

vis fris

Donnerstag, März 08, 2007

Gefahren im Haushalt oder: You play with fire, you get burned

Mit Feuer spielt man nicht. Das haben wir als Kinder gelernt. Wenn man aber älter wird, meint man alles mehr unter Kontrolle zu haben und nimmt sich die Ratschläge von früher weniger zu Herzen.
Weniger als man manchmal sollte. Ist euch auch schon mal ein Böller in der Hand losgegangen? Nein? Lasst es, es tut höllisch weh. Ist euch schon mal ein Böller in der Jackentasche explodiert, den jemand aus 4 Metern Entfernung in eure Richtung geworfen hat? Nein? Haltet die Augen offen, wenn ihr an eurer Jacke hängt. Habt ihr euch beim Anzünden einer Zigarette auch schon mal die Augenbrauen angesengt, weil irgendein Spaßvogel die Flamme hochgedreht hat? Nein? lasst es, denn es stinkt und sieht bescheuert aus. Habt ihr euch auch schonmal die gesamten Haupthaare abgefackelt, als ihr beim Grillen mit dem Spiritus gespielt habt und zu nah an die Flammen gekommen seid? Nein? Ich auch nicht, aber es ist bestimmt nicht lustig.

Bei uns im Wohnzimmer steht ein Gasofen, der die ganze Wohnung mit Wärme versorgen muss. Wir haben nämlich keine festinstallierte Heizung. Drei Zimmerküchebad, das heißt heizen heizen heizen, nonstop. Das Ding leistet gute Dienste und strahlt ordentlich Wärme aus - ein bisschen so wie ein Lagerfeuer.
Und wie bei einem Lagerfeuer ist es auch hier nicht zu empfehlen, sich oder andere Gegenstände zu nah am Ofen zu platzieren. Nachdem der Ofen mir beim Schuhe-Zubinden ein Stück der Sohle weggeschmolzen hat, war es einen Tag später soweit:

Nichstahnend sitzen Mark und ich im Wohnzimmer (zum Glück!), als plötzlich etwas verbrannt riecht. Hinter meinem Stuhl steigt Rauch auf, und als ich panisch aufspringe, sehe ich auch schon den Grund dafür: der Ofen, von da an liebevoll 'Bernie' (oder besser Burnie) genannt, war dabei, ein schönes, bereits handtellergroßes Loch in meine Jacke zu brennen, das schnell größer wurde. Mit viel Mühe und dem Einsatz meiner bloßen Hände gelang es mir, den Schwelbrand zu löschen, bevor Schlimmeres geschehen konnte. Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn wir zu dem Zeitpunkt nicht im Raum gewesen wären... Seinen Respekt hat sich Bernie damit jedenfalls redlich verdient!

Freitag, März 02, 2007

Karaoke

Die Stimmung ist super. Im Café Uilenstede haben sich wie jeden Monat die Studenten versammelt, um einem unerklärlichen Phänomen zu huldigen - Karaoke. Einmal wie Madonna sein, einmal das Lieblingslied von Robbie Williams selbst singen - Einmal berühmt sein, wenn es auch nur für 3:47 Minuten ist.
Der DJ ist die Verkörperung angestrengter Zwangsheiterkeit mit Bierbauch, die Moderatorin trägt ein unsägliches rotes Pailetten-Oberteil und wird später auch noch selber einen zum Besten geben - aber erstmal kommen die Gäste dran. Eine Liste mit Songtiteln geht rum, während Miss Modeverbrechen die ersten Sänger, pardon, "Sänger" auf die Bühne bittet. Das Interesse der Masse hält sich in Grenzen, der Sound ist miserabel und die Gesangsanlage wertet das ohnehin schon kaum anhörbare Gejohle nicht grade auf. Mittelalte, unförmige Studenten mit Brille wechseln sich mit besoffenen Austauschstudenten und kleinen, auf 17 geschätzten Girlies ab - "I'm addicted to you, and you know that you're toxic", "All I wanna do, is have some fun..."
Die Konstanten des Abends sind Robbie Williams in unzähligen Variationen, holländischer Schunkel-Schlager, interpretiert von holländischen Schunkel-Studenten und nicht zuletzt ein großer Typ mit typisch holländischer Langhaarfrisur, nach hinten gegelt, der zwischen den Liedern ungefragt und vom Publikum weitestgehend ignoriert a capella-Versionen seiner Lieblingssongs zum Besten gibt und sich dabei tierisch geil vorkommt.
Mit einiger Distanz - räumlich wie geistig - betrachten wir das Szenario. Als vier Jungs grölenderweise und unter lautstarkem Zuspruch des Publikums "Another Brick In The Wall" anstimmen, sind wir uns über den blasphemischen Gehalt dieser Aktion einig.
Das Ganze geht weiter, ohne echte Höhepunkte hervorzubringen. Als dann die ersten Klänge von "Knockin' On Heavens Door" aus den Boxen kommen, beschließe ich, das Grauen zu beenden und mich aus dem Staub zu machen - Jetzt!