Donnerstag, April 26, 2007

Daily Struggle - Ein Gedicht

Elf Uhr morgens - Wecker bimmelt
schnell noch einmal umgedreht
Blick nach draußen, blauer Himmel!
erstmal nochmal umgedreht

Piep piep machts vom Fensterbrett
Schlummertaste schnell gefunden
zu gemütlich ist's im Bett
drück die Taste schnell nach unten

Ach, noch fünf Minuten Ruhe
unter warmen Daunendecken
durch den Hausflur klappern Schuhe
Lärm will mich von draußen wecken

Menschenstimmen, Autokrach,
Hundsgebell und Kinderschrei
kriegen mich nur schwerlich wach
sind mir großteils einerlei

Und der Ablauf ist bekannt
Piep - Snooze-Button - weiterdösen
schnell zurück ins Träumeland
weit weg von der Welt des Bösen

Draußen lauert die Gefahr
breite Straßen, volle Züge
Menschen, Tiere, sonderbar
kenn ich alles zu Genüge

Um da nicht verrückt zu werden
braucht man schon ne dicke Haut
doch am schönsten Ort auf Erden
ist mir alles wohlvertraut

Eine Decke, ein zwei Kissen
weich, so weich die Unterlage
niemals will ich dieses missen,
will hier bleiben, Stunden, Tage

Nie das Weckerklingeln hören
Nie die Höhle je verlassen
niemand soll im Schlaf mich stören
Man soll mich in Ruhe lassen!

Doch ach, da ertönt es wieder
schrill, und scharf, sirenengleich
singt er seine Unheilslieder
ruft er:
- Aufstehn, und zwar gleich!

- Wecker, ach, lass mir den Frieden
bitte, gib mir noch ne Stunde!
- spinnst du??? Lass ich dich hier liegen,
gehst du mir noch vor die Hunde!

All die Jahre war ich da
besorgt um deine Pünktlichkeit
Ohne mich, was wärst du da?
Wo bleibt denn deine Dankbarkeit?

Und auch wenn ich dich täglich wecke
gehts jeden Morgen ähnlich los
verkriechst dich unter deiner Decke
Verfluchst und schlägst mich, jammerst bloß!

Weißt du was? Mir reichts, ich gehe
Sag's dir direkt ins Gesicht!
Nie will ich dich wiedersehen
Wirst schon klarkommen, ohne mich!

Sprach der Wecker, meint es ernst
geht, sagt nicht auf Wiedersehen
weit schon, weit ist er entfernt,
ohne sich noch umzudrehen

Ach, was hab ich bloß getan!
hab den Bogen überspannt
- Wecker, tu mir das nicht an!
bin ihm hinterhergerannt

Konnte ihn noch grade halten
- Wecker, oh, verlass mich nicht!
musst doch meinen Schlaf verwalten,
musst mich wecken, brauche dich!

Fortsetzung folgt...

Montag, April 23, 2007

Bilder Des Tages

Google Earth ist ja nach wie vor was feines. Hier sieht man Dhaka/Dacca, 8-Millionen-Moloch und Hauptstadt von Bangladesh, eines der ärmsten Länder der Welt.
Anscheinend hat man hier bei der Kalkulation der Anlegeplätze den Andrang leicht unterschätzt...


Was geht sonst so in Bangladesh? Wer es wissen will, klickt hier auf Lauras Blog!

Dienstag, April 17, 2007

Strange Encounter XVIII

Das Alto ist wie jeden Abend gut gefüllt. In dem urigen Jazzcafé nahe beim Touristentreffpunkt Leidseplein wird Live-Jazz geboten - der Andrang ist groß und schon um 22:00 Uhr ist es zu spät, um einen der spärlich gesäten Sitzplätze zu ergattern. Stehen also. Die Luft ist zum Schneiden, es fühlt sich an, als ob hier seit Jahrzehnten nicht mehr gelüftet wurde. Höchstwahrscheinlich ist das auch so. Es wird Bier getrunken und sich laut unterhalten - am hinteren Ende des schmalen Raumes spielt Saskia Laroo auf der kleinen, kaum wahrnehmbaren Bühne Trompete, begleitet von ihren Bandmitgliedern. Nach einer gefühlten Ewigkeit werden ein paar Plätze frei und wir lassen uns, vom Stehen bereits etwas erschöpft, auf die hölzernen Stühle und die Sitzbank an der Wand nieder. Es ist Zeit, von unserer erhöhten Position im hinteren Teil des Cafés den Blick schweifen zu lassen. Das Publikum ist bunt durcheinander gewürfelt, Studenten, Touristen aller Altersklassen, alteingesessene Amsterdamer, einige Stammgäste...Über die Jahrzehnte seines Bestehens hat sich das Alto einen festen Platz in der örtlichen Jazzszene erspielt.
Als ich mich umschaue, bleibt mein Blick an einem Mann haften, der bereits seit einiger Zeit scheinbar ziellos durch das Café streift. Er ist groß und relativ kräftig gebaut. Seine weißen Haare sind zurückgekämmt und kinnlang, er ist rasiert und sieht recht gepflegt aus. Wie alt er ist, ist schwer zu sagen, vielleicht 50, 60? Alter schätzen war noch nie meine Stärke. Sein Gesicht wird dominiert von markanten Wangenknochen, einem kräftigen, eckigen Kiefer und einer hohen, breiten Stirn. Die Augen sitzen tief in ihren Höhlen. Obwohl sie im Vergleich zum restlichen Kopf fast klein erscheinen, weiß er mit diesen Augen unglaublich stechende Blicke durch den Raum zu schicken. Die Mundwinkel sind nach unten gezogen, was ihn verbissen aussehen lässt, beinahe wütend. Tiefe Falten bahnen sich von seinen Nasenflügeln aus einen Weg abwärts und verstärken diesen Eindruck. Er hat einen leichten Buckel und läuft nach vorne gebeugt. Die Jacke zieht er nicht aus, obwohl es sehr warm ist. Seine Erscheinung ist einnehmend und gleichzeitig beängstigend, und ich kann meinen Blick nicht von ihm lösen. Sein Gebahren hat etwas Wahnsinniges, etwas ganz und gar von der Welt entrücktes. Er scheint voll und ganz in der Musik aufzugehen, starrt mit irrem Blick zur Bühne und bewegt seine Arme und Hände beschwörend zur Musik.
Manchmal spricht er Gäste an, dann beugt er sich tief zu ihnen hinunter und schaut ihnen eindringlich in die Augen, als wollte er sie hypnotisieren und tief in ihr Innerstes schauen, aber diese scheinen ihn nicht zu verstehen. Oder sie wollen es nicht.
Irgendwann kommt er zu unserem Tisch und bleibt vor mir stehen. Ich kann meinen Blick noch immer nicht von ihm lösen und frage mich mit einer unbestimmten Faszination, was wohl in seinem Kopf vorgeht. Er schaut mich an als wolle er etwas sagen, hebt beschwörend seine Hände, wobei er die Finger krallenartig spreizt, bewegt diese leicht kreisend und macht mit weit aufgerissenen Augen "Rrrrrr Rrrrrrrrrrr Rrrrrrrrrrrrrrrr" in immer weiter aufsteigenden Spiralen. Nun weiß ich was mir vorher schon dünkte: Der Mann ist komplett übergeschnappt! Ich schaue ihm weiter zu, wie er zum Rhythmus der Musik seine wirren Bewegungen und Laute von sich gibt und versuche zu ergründen was wohl in ihm vorgeht. Vergebens. Dabei schaut er unentwegt auf mich herunter, mit diesem eindringlichen, stechenden Blick, als wolle er mir etwas mitteilen. Eine Zeitlang versuche ich noch zu ergründen was in ihm vorgeht, dann wird es mir zu viel und ich beschließe ihn zu ignorieren. Meine Kommunikationsversuche hat er zumindest nicht zu würdigen gewusst.
Nach seinem Zwischenstop an unserem Tisch sehe ich ihn noch ab und zu zwischen den anderen Gästen auftauchen und hier und da ein halbvolles, herrenloses Bier abstauben. Hochkonzentriert hört er der Musik zu und macht bei einem furiosen Solo manchmal ein paar merkwürdige Bewegungen und wohl auch Geräusche, die aber im allgemeinen Geräuschpegel untergehen. Dann versinkt er wieder in seiner eigenen, unergründlichen Welt.

Sonntag, April 15, 2007

Sommer

Nachdem vor ein paar Tagen plötzlich der frühling mit voller Wucht eingeschalgen hat, ist jetzt schon Sommer! Jahreszeiten im Schnelldurchlauf! Es ist sehr warm und die Straßen und vor allem die Parks sind voll mit Leuten, die sich sonnen, Sport treiben, grillen, Bier trinken...Und wir natürlich mittendrin.
Gestern im Vondelpark kamen drei kleine Mädels zu uns und fragten, ob wir für die Sonne oder für den Regen wären. Wir haben natürlich aus voller Überzeugung die Sonne gepriesen - daraufhin nahm eines der Mädchen aus einer leeren Chipstüte ein paar Sonnenstrahlen, die sich als Baumknospen getarnt hatten, und streute sie uns mit einem herzerweichenden Kinderlachen über den Kopf. Man könnte sie auch in den Mund nehmen, rief noch eine andere mit einem schelmischen Grinsen. Dann liefen sie lachend und hüpfend davon, um weiter Sonnenstrahlen aus ihrer Tüte zu verteilen...

Montag, April 09, 2007

Samstag, April 07, 2007

Keep On Moving

Heute bin ich zum zweiten Mal innerhalb Amsterdams umgezogen. Der Aufwand hielt sich jedoch in Grenzen - schließlich war es innerhalb der Wohnung. Trotzdem war es ein bedeutender Schritt - zum ersten Mal seit Ende Januar habe ich wieder ein eigenes Zimmer. Zwei Monate im Wohn- und Durchgangszimmer gehen nicht spurlos vorbei. Zwei Monate mit offenen Türen, zwei Monate ohne richtige Privatsphäre, zwei Monate Mark und ich quasi in einem großen Zimmer - das ist anstrengender als man denkt oder zumindest als ich vorher angenommen habe.
Wie soll man denn auch wissen, wie sowas ist, wenn man immer wie selbstverständlich den Luxus eigener vier Wände genossen hat? Und da kommt einem Joni Mitchell in den Sinn wie sie damals sang: "You dont know what you got til its gone". Wie wahr wie wahr...
Aber wir haben es geschafft, und jetzt brechen neue Zeiten an - die dritte Phase Amsterdam beginnt, begleitet von frühlingshaftem Vögelgezwitscher, Sonnenschein und (noch nicht, aber bald!) T-Shirt-Wetter. Und ich kann euch sagen, Amsterdam im Frühling ist gleich doppelt so schön wie in den nicht enden wollenden Regenmonaten, die hinter uns liegen...
Ach ja: Frohe Ostern!

Und hier unten noch ein paar Impressionen aus Wohnzimmer bzw. neuem Zimmer:






Montag, April 02, 2007

Intercultural Studies

Mein Vorhaben, hier mit den Kaasköppen zu sozialisieren und mir massig holländische Freunde anzuschaffen, hat irgendwie nicht geklappt. In meinen Seminaren sitzen zu 95 % Vögel, und den Rest der Zeit verbringt man meistens mit den mittlerweile altbekannten Erasmus-Companeros.


Darunter sind meine Lieblingsfranzosen Simon (unten) und Thomas aus Bordeaux, und mit der Zeit kriegt man natürlich auch die Eigenarten des französisch gefärbten Englisch mit.
Und hier muss mit einem alten Vorurteil aufgeräumt werden: Die Franzosen sind sehr wohl fähig, am Anfang des Wortes ein 'H' auszusprechen! Also Schluss mit den ganzen "'allo isch 'eiße 'erbert" Scherzen? Nein, nicht ganz. Eine unerklärliche Laune der Natur sorgt dafür, dass es zu einer Verwechslung kommt: Bei Wörtern, die mit 'H' beginnen, wird dieser Buchstabe grundsätzlich verschluckt. Wörter hingegen, die mit einem Vokal beginnen, kriegen meistens ein 'H' dazu, wo eigentlich gar keines steht. Das hört sich dann zum Beispiel so an: "Hi 'ave a 'ead-hache" (i have a headache)...
Die spinnen, die Franzosen....